Benutzt du dein Smartphone oder benutzt dein Smartphone dich? Und: 5 Tipps, wie du dein Leben zurückbekommen kannst.

Ich weiß ja nicht, wie es dir geht, aber ich habe mein Smartphone schon sehr sehr gern. Und gleichzeitig kann es manchmal richtig nervtötend sein. Kommt dir das ungefähr bekannt vor?

Wenn man sich das nur mal kurz vor Augen führt, ist es wirklich ein Wunderwerk der Technik. In deiner und meiner Hosentasche steckt mehr Technik als in einem Computer, der im Jahre 1937 noch eine ganze Turnhalle gefüllt hat. Unsere Möglichkeiten mit unseren aktuellen Smartphones sind quasi grenzenlos! Soviel Produktivität und Unterhaltung im Hosentaschenformat. Und das ist richtig stark und hilfreich – kann gleichzeitig aber auch ein Fluch sein. Eben weil wir mit ihnen so viel machen können, machen wir auch so viel mit ihnen…

Unser Problem:

Das kann für uns problematisch werden, wenn wir einfach aus Gewohnheit (oder Sucht?) einfach irgendwas am Smartphone tun was man je nach Betrachtung auch als Zeitverschwendung bezeichnen könnte.

Versteh mich bitte nicht falsch. Ich teile nicht romantisch die Ansicht, dass „soziale Interaktion per Internet doch keine echte Interaktion wäre“ oder ähnliches. Darum geht es mir gar nicht. Mir geht es eher um Dinge mit denen wir Präsenz und Freude aus dem Moment verschenken. Mit der wir wahren Nutzen unserer Zeit verschenken. Dazu können zum Beispiel folgende Dinge gehören:

Das Checken von Messaging- oder Nachrichten-Apps, OBWOHL wir gerade mit etwas anderem beschäftigt sind, was eigentlich unsere volle Aufmerksamkeit verdient! Beispiel: Man sitzt beim Essen mit Freunden und die Smartphones liegen auf dem Tisch. Dann nimmt man während des Zuhörens oder Sprechens das Smartphone und checkt seine Nachrichten. Hallo? Es spricht ja nichts dagegen, das Smartphone zu zücken, wenn man darauf etwas zeigen möchte, was Teil des Gesprächs ist. Aber das andere Szenario ist einfach nur unhöflich. Oder aber Benachrichtigungstöne ziehen die Aufmerksamkeit von einem Gesprächspartners während dem Dialog in sein Smartphone. Das ist einfach nicht schön. Wenn einen das Gesprächsthema langweilt kann man es ja in eine andere Richtung lenken, ganz wechseln oder sich halt mit anderen Leuten treffen. Und eigentlich ist es ja nicht nur dem Gesprächspartner gegenüber unhöflich sondern lässt einen selbst auch gar nicht richtig in den Dialog und den Moment eintauchen. Wir verpassen damit Freude und Lernmöglichkeiten.

In unserer Zeit ist es nun mal einfach so, dass es so etwas wie „ungeteilte Aufmerksamkeit“ nur noch sehr selten gibt – zumindest wenn wir unser Smartphone in Reichweite haben. Doch das muss nicht zwangsweise so sein. Zu einem Großteil entscheiden wir immerhin noch selbst über unser Nutzungsverhalten. Wir entscheiden selbst darüber, ob wir unsere Aufmerksamkeit (auch während der Smartphone-Nutzung) proaktiv steuern oder aber uns reaktiv von Benachrichtigungen und „Suchtverhalten“ durch die Feeds und Messaging-Apps ziehen lassen.

Spricht etwas gegen dieses reaktive Verhalten, wenn man gerade in der Bahn fährt oder im Wartezimmer beim Arzt sitzt? Sicherlich nicht. Schließlich finden sich in Feeds auch immer mal spaßige, wichtige und interessante Beiträge. Aber wenn man eigentlich seine Aufmerksamkeit proaktiv auf eine bestimmte Tätigkeit fokussieren möchte/sollte, dann sollten wir dieses reaktive Verhalten eingrenzen.

Viel entscheidender kann sich nämlich unser Nutzungsverhalten unserer Smartphones im Arbeits- oder Lernkontext auswirken. Dort können wir viel Produktivität und Effizienz auf der Strecke lassen. Wenn unser Facebook-Feed uns von einer Netflix-Serie ablenkt, ist das halt so. Aber wenn dieses reaktiv angewöhnte Durchscrollen uns von der Arbeit ablenkt und uns unserer Produktivität beraubt, ist das schon wieder etwas ganz anderes. Das Scrollen wird wie das gedankenlose Ziehen an dem Hebel eines einarmigen Banditen in einem Casino. Die ersten drei oder vier Beiträge waren vielleicht nicht interessant aber vielleicht kommt ja noch etwas weiter unten. *scroll, scroll, scroll*

Hilfreiche Tipps, die du ab jetzt testen kannst:

  1. Das Ausstellen aller Arten von Benachrichtigungen aller Messaging Apps. Und zwar nicht das Smartphone selbst auf lautlos, sondern in den Einstellungen jeder Messaging App selbst die Benachrichtigung ausstellen. Dann brauchst du dein Telefon selbst gar nicht mehr auf Vibration oder Lautlos stellen. So lässt du dich von Nachrichten nicht aus dem Moment holen. Anrufe – was wir nun mal tun, wenn es wirklich wichtig ist – bekommen wir so trotzdem mit, weil das Smartphone ja nicht auf lautlos gestellt ist.
  2. Beim Quatschen, Essen, etc. mit Freunden kann man es zum Beispiel so untereinander vereinbaren, dass die Smartphones nicht direkt in Griffweite liegen. Stattdessen sind sie in der Hosen- oder Handtasche, statt auf dem Tisch. Auf der Kommode in einem anderen Zimmer statt mit auf der Couchlehne.
  3. Eine fixe Zeiteinteilung von proaktiven und reaktiven Zeitphasen der Smartphone-Nutzung kann wahre Wunder für unsere Produktivität bewirken. Oder im privaten sozialen Kontext wunderbar ungestörte und tiefe Gesprächen zulassen. Wende bei der Arbeit oder beim Lernen zum Beispiel die „50 Minuten Fokus-Fenster“ Methode an (die du hier in einem anderen Blog-Beitrag findest). Im privaten sozialen Kontext kannst du ebenfalls das Checken deines Smartphones auf „Leerlauf“-Zeitphasen verzögern. Zum Beispiel wenn dein Gesprächspartner auf Toilette geht, du Zigaretten-Pause machst (Rauchen ist ungesund!), beim Pendeln, etc.
  4. Wenn wir Benachrichtigungen sehen, es uns aber eigentlich gerade ablenken würde, sie zu beantworten, sollte man sie auch nicht öffnen! Ein gutes Gefühl durch die Ausschüttung von Dopamin ist sowieso bereits geschehen. Dann kann man das Antworten auch auf später verschieben und sich in „Vorfreude“ üben.
  5. Jemandem nicht direkt zu antworten ist unhöflich? Das kommt darauf an. Wenn der Gesprächsfluss gerade beidseitig „live“ ist, kann das durchaus sein. Aber wenn wir auf eine Nachricht antworten, die wir sowieso bereits vor einiger Zeit erhalten haben, muss das nicht zutreffen. Ein bisschen eigenes Umdenken zum Thema Zurückschreiben kann die Produktivität von gleich zwei Personen erhöhen. Bedenke: Immer wenn wir zurückschreiben, könnte das auch unseren Gegenüber aus seinem Moment reißen und ihn ablenken.

 

Zum Abschluss muss dann noch gesagt werden, dass dieser Artikel keine Beschwerde über unser modernes Smartphone-Leben sein soll oder uns für „schlechtes“ Nutzungsverhalten ermahnen soll. Es lohnt sich dennoch mal in Betracht zu ziehen, wie sehr unser Nutzungsverhalten unsere Produktivität und Präsenz im Moment beeinflusst.

 

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By | 2017-04-25T16:01:01+00:00 April 7th, 2017|Blog|0 Comments

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